Offener Brief

Offener Brief an alle Abgeordneten:

Beleben wir die Solidarität!

Sehr geehrte Damen und Herren!
Werte Abgeordnete!

Hören Sie das knistern? Es ist das soziale Gebälk, das unter der Last der wachsenden Ungleichverteilung zusammenzubrechen droht. Verstärkt durch die Auswirkungen der Coronakrise, deren Bewältigung bislang in erster Linie von den Arbeitenden und ihren Angehörigen, von den Frauen, von den kleinen Unternehmen getragen wird. Während multinationale Konzerne gigantische Gewinne schreiben, die unversteuert abfließen.

Es ist auch der brasilianische Regenwald, der lichterloh brennt, damit billiges Kraftfutter für die heimische Schweinemast angebaut werden kann. Damit Unmengen von billigem Fleisch erzeugt werden können, von dem dank neuer Freihandelsabkommen künftig noch mehr zu uns gebracht werden soll. Während wir schon immer stärker die Auswirkungen der Klimakrise zu spüren bekommen und das große Artensterben sich gerade erst ankündigt.

Ob Wirtschaftskrise oder Klimakrise, ob maroder Sozialstaat und prekärer Arbeitsmarkt oder Naturschäden und Verlust der Biodiversität – es werden diejenigen am meisten unter ihren fatalen Auswirkungen zu leiden haben, die es sich nicht selbst richten können. Unsere Kinder und Enkelkinder werden im besonderen Ausmaß davon betroffen sein, denn ihre Chancen auf ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben in sicherer Umgebung schwinden.

Werte Abgeordnete, die Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit muss auch in stärkerem gesellschaftlichem Zusammenhalt gefunden werden. Im Verständnis, dass nur ein grundsätzlicher ökologisch-solidarischer Wandel dafür sorgen kann, dass die Welt nicht noch ungerechter und unsicherer für die Vielen wird. Genau dafür setzen wir uns ein. Und dabei brauchen wir Ihre Unterstützung. Deswegen schreiben wir Ihnen heute.

Wir beabsichtigen eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, die sich der ökologischen und solidarischen Transformation unserer Gesellschaft widmen soll. Die Menschen dabei unterstützen soll, selbst Teil eines positiven Wandels zu werden. Wo die Ermächtigung zur Selbstwirksamkeit im Vordergrund steht, das Solidarprinzip gelebt wird. Wir sind davon überzeugt, dass es eine solche Institution braucht. Gerade jetzt.

Wir, das ist eine Gruppe von gegenwärtig rund 20 Menschen. Es sind Ökonom*innen und Mediziner*innen, Jurist*innen und Kunstschaffende, es sind Aktivist*innen aus der Menschenrechts- und Klimaschutzbewegung und viele mehr. Was uns bei aller Unterschiedlichkeit an Herkunft und Alter, an Ausbildung und Lebensweg eint, ist das Streben nach einer gerechteren Welt für alle Menschen. Dafür setzen wir uns ein.

Nun brauchen wir Ihre Unterstützung. Werte Abgeordnete, öffnen Sie Ihre Netzwerke für unser Anliegen und helfen Sie uns dabei diese einzigartige Bürger*innen-Stiftung auf den Weg zu bringen. Treten Sie jetzt unserem Förderkreis bei und tragen Sie damit persönlich und unmittelbar dazu bei, dass wir die nötige Kapitalbasis aufbauen können. Sie verfügen über hinreichend finanzielle Stärke, um diesen Beitrag zu leisten.

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Homepage. Bei Rückfragen stehen wir auch jederzeit gerne zur Verfügung und freuen uns auf einen persönlichen Austausch bei Gelegenheit. Aber hier und jetzt geht’s um Ihren finanziellen Beitrag zur Etablierung der Stiftung. Werden Sie eine der für den Start benötigten 100 Personen. Schreiben Sie mit uns gemeinsam Geschichte. Sorgen wir für ein ökologischeres, solidarischeres Österreich.

Hochachtungsvoll,

Veronika & Sebastian Bohrn Mena


Dieser offene Brief erging per Mail an alle 266 Abgeordneten zum Nationalrat, Bundesrat und Europäischen Parlament.

Solidarität als Antwort auf Hass

Solidarität als Antwort auf Hass

Erste österreichische Gemeinwohlstiftung wird gegründet

Nach wiederholten Morddrohungen und Einschüchterungsversuchen geben Veronika und Sebastian Bohrn Mena die geplante Gründung der „Gemeinwohlstiftung COMÚN“ vorzeitig bekannt

Wien, 18. August 2020

Nachdem Arbeitsmarktexpertin Veronika Bohrn Mena und ihr Mann, der chilenisch-österreichische Ökonom Sebastian Bohrn Mena, zum wiederholten Male rassistisch beschimpft und bedroht wurden, ermitteln nun erneut Polizei und Verfassungsschutz. Zuletzt am Sonntag wurde ihnen eine Fotomontage mit einem angeblichen Bericht über die Ermordung Bohrn Menas zugeschickt, zudem ein „Unfall“ in der Nähe ihres Wohnortes angekündigt. Das Ehepaar hat als Reaktion auf die mittlerweile fünfte Morddrohung und die Vielzahl an digitalen Hassnachrichten mit der vorgezogenen Bekanntgabe der geplanten Gründung einer gemeinnützigen Stiftung reagiert.

Der brennende Regenwald und die Schlachthaus-Skandale haben es deutlich gezeigt: Die Ausbeutung von Menschen und der Raubbau an der Natur gehen immer Hand in Hand. Die Prekarisierung der Arbeitswelt und die Klimakrise schreiten ungebremst voran und primäre Treiber wie auch ProfiteurInnen dieser fatalen Entwicklungen sind einige wenige Konzerne und ihre reichen EigentümerInnen, die auch noch mit Steuermillionen unterstützt werden. Ihre Gewinne werden steuerschonend privatisiert, die Kosten und Schäden hingegen auf uns alle abgewälzt. Bis in nachfolgende Generationen hinein wird die Ungleichverteilung verstärkt und manifestiert.

Wir werden als Personen angegriffen, aber sie meinen in Wahrheit uns alle. Uns alle, die wir bedingungslos für die Menschenrechte eintreten, die für eine soziale und ökologische Zukunft kämpfen. Die Antwort auf diesen Hass müssen wir in der Stärkung der Solidarität finden. Je größer der gesellschaftliche Zusammenhalt ist, umso wehrhafter ist unsere Demokratie. Wir haben uns daher entschlossen die Pläne zur Gründung einer Gemeinwohlstiftung in Österreich frühzeitig bekanntzugeben. Auch um den bislang anonymen Drohenden zu signalisieren, dass wir uns nicht brechen lassen. Wir sind viele und wir organisieren uns“

Veronika und Sebastian Bohrn Mena.

Als KonsumentInnen können wir u.a. aufgrund struktureller Intransparenz kaum darauf Einfluss nehmen, als BürgerInnen gibt es nur wenige Mechanismen demokratischer Teilhabe. Selbst die Möglichkeit sich selbst zu organisieren, Vereine zu gründen oder Initiativen umzusetzen, stehen aber aufgrund finanzieller Barrieren nur wenigen offen. Die Beantragungen von öffentlichen Fördermitteln erweist sich als schwierig und geht mit hohen Hürden einher. Die Folge: während Industrie und Handel mit gewaltigen Ressourcen gleichermaßen die Politik, den Staat und die Gesetzgebung wie auch den öffentlichen Diskurs zu ihren Gunsten beeinflussen können, hinkt die Zivilgesellschaft hinterher. Und ist damit weniger wirkungsvoll in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen vertreten, als es ihrer eigentlichen Stellung als Sprachrohr der Bevölkerung entsprechen müsste.

Um dem entgegenzuwirken wurde die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung initiiert. Ihr Ziel ist der Aufbau finanzieller Kapazitäten und Strukturen zur nachhaltigen Förderung einer grundlegenden ökologischen, solidarischen Transformation und Selbstermächtigung unserer Gesellschaft. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von der feministischen Ökonomin Katharina Mader, Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Klima-Aktivistin Lena Schilling, Richter Oliver Scheiber und Josef Weidenholzer, ehemaliger Präsident der Volkshilfe Österreich und Europaabgeordneter.

Die Gemeinwohlstiftung COMÚN (spanisch für „Gemeinsam“) soll dabei von Beginn an auch den Charakter einer BürgerInnenstiftung entfalten. So werden die Leitlinien, das Arbeitsprogramm und die Struktur gegenwärtig unter Beteiligung der 14 künftigen Stiftungsbeiräte erstellt. Auch die Finanzierung soll von Anfang an gemeinsam gesichert werden. Zu diesem Zweck wird vom Gründungsverein ein „Förderkreis“ ins Leben gerufen, bei dem sich Menschen mit einer einmaligen oder dauerhaften Spende an der Errichtung des Stiftungskapitals beteiligen können. Die wirtschaftliche wie politische Unabhängigkeit ist jedoch eine wichtige Grundvoraussetzung.

Wir wollen gezielt Kapital aufbauen und es im Sinne des Gemeinwohls für einen gesellschaftlichen Wandel zugänglich machen. Es geht darum Einzelpersonen und Initiativen dabei zu unterstützen Gutes zu tun. Es mangelt nicht an Ideen oder Engagement, sondern viel zu oft an Geld und Öffentlichkeit. Mit der Gemeinwohlstiftung werden wir dabei unterstützen ökologische und soziale Vorhaben auf den Boden zu bringen. Wir werden in Notlagen unmittelbar helfen aber uns genauso für die Ermächtigung von Menschen einsetzen. Und wir wollen mit der Gemeinwohlstiftung COMÚN ein starkes Gegengewicht zu jenen aufbauen, die Geld und Macht einsetzen, um ihre Interessen auf Kosten der Allgemeinheit durchzusetzen. Es ist hoch an der Zeit das Gemeinwohl zu fördern und das Gemeinwesen zu stärken, gerade angesichts noch nie dagewesener sozialer und ökologischer Krisen. Wir müssen die Resistenzkräfte der Zivilgesellschaft jetzt bedeutsam stärken, auch um dazu beizutragen, die strukturelle Ungleichverteilung zu überwinden. Daran führt kein Weg vorbei, wenn wir den Zusammenbruch der Solidargemeinschaft und den Kollaps des Ökosystems noch verhindern wollen. Wir müssen zumindest den Versuch wagen.

Veronika und Sebastian Bohrn Mena

Rückfragehinweis:
Verein zur Gründung einer Gemeinwohlstiftung in Österreich
Mail: info@gemeinwohlstiftung.at

Homepage: www.gemeinwohlstiftung.at